Trierischer Volksfreund - Die Woch vom 23.11.2019

Von den Trierer Höhen in die Tiefen des Weltalls

Der Verein Sternwarte Trier hat es sich zur Aufgabe gemacht, Schülern und Interessierten grundlegende Kenntnisse über den Kosmos zu vermitteln

TRIER Nicht alle wissen, dass in Trier zwei vollwertige Sternwarten betrieben werden. Eine Anlage befindet sich auf dem Dach der Universität, die zweite nicht weit davon entfernt am Ortsrand von Trier-Irsch. Dass diese Fenster zum Weltall verwirklicht werden konnte, ist dem Verein Sternwarte Trier e.V. zu verdanken. 1966 wurde dazu eigens der Verein gegründet. Das Ziel war zunächst, für alle Trierer Gymnasien ein gemeinsames und gut bestücktes Observatorium  zu schaffen und zu betreiben. Eine  Vorgängeranlage auf dem Dach des alten Hindenburg-Gymnasiums war dem Krieg zum Opfer gefallen. Der neue Verein plante  ein Observatorium mit moderner Ausstattung, rund 10 000 DM hatte das Land bereits zugesagt, doch die Pläne scheiterten an  Grundstücks- und Standortproblemen. Es folgte ein jahrelanges Hin und Her, das erst mit dem in den 70er-Jahren begonnenen Bau der Universität Tarforst enden sollte. Das Dach des Gebäudes A/B bot sich als günstiger Standort an. Erforderlich waren lange Planungen, an denen auch die Schulen beteiligt waren sowie die  Klärung der Finanzierung durch Firmenspenden und günstige Kredite. Die Universität stimmte dann dem Projekt zu und das  Ziel war erreicht.

In der Irscher Kuppel

Im September 1987 begann der Bau des Observatoriums auf dem Dach des Gebäudes A/B in Tarforst. Im November 1988 folgte die Inbetriebnahme. In enger Zusammenarbeit mit den allgemeinen Bildungsangeboten der Uni stellte der Verein  die Sternwarte in der Folgezeit der  Öffentlichkeit vor. Auch die bis heute fortdauernde Serie von Vorträgen, Führungen und anderen Veranstaltung begann. Ziel war einerseits eine Schulsternwarte für Arbeitsgemeinschaften und besondere Facharbeiten der Gymnasien in Trier, Konz und Schweich, andererseits eine Volkssternwarte für astronomisch Interessierte.
Mitte der 90er-Jahre konnte Dank der Förderung durch die Nikolaus-Koch-Stiftung ein entsprechendes Spiegelteleskop beschafft werden. Das war jedoch auf dem Uni-Dach unterfordert. Die nächtliche Lichtverschmutzung durch die umliegende Bebauung hatte inzwischen zu stark zugenommen und das Gerät konnte nicht seine volle Kapazität entfalten. So erinnerte man sich an ein Grundstück am Irscher Ortsrand – ein aufgegebener Weinberg, den der Verein schon vor vielen Jahren erworben hatte.
Mit hoher Eigenleistung bereiteten Vereinsmitglieder das Gelände, die kostengünstigste Kuppelkonstruktion für ein Observatorium fand sich ausgerechnet in Australien. Für die Finanzierung der Außenstelle Irsch gelang es dem Verein, viele ins Boot zu holen – ganz vorne die Fördervereine der Gymnasien, dazu die Sparkasse Trier und das Bildungsministerium. Auch zahlreiche Trierer Firmen und die HWK beteiligten sich mit Geld- und Sachspenden oder Dienstleistungen. Der Rotary Club Trier finanzierte eine Solaranlage mit Batteriespeicher zur  autonomen Stromversorgung der Anlage – ein Anschluss ans öffentliche Netz wäre dort draußen unbezahlbar gewesen. Strom ist für ein modernes Observatorium unabdingbar, schon weil die Anlage für lang belichtete Fotos von Objekten im All elektrisch ständig der Erddrehung nachgeführt werden muss – ansonsten würden  nur helle Streifen auf den Bildern erscheinen. „Der größte Förderanteil kam aber wieder von der Nikolaus-Koch-Stiftung“, sagen Schatzmeister Michael Kettler und Gerätewart Markus Weber.
2011 wurde die Sternwarte Irsch durch ein in Eigenleistung errichtetes Blockhaus erweitert. Es dient als Geräteschuppen und verfügt über einen  Vortragsraum für kleine Gruppen sowie eine Besprechungsecke.

Übrigens: Die ständige Zusammenarbeit mit den Schulen und Schülern bietet dem Verein keine Nachwuchsgarantie. Viele Schüler ziehen nach dem Schulabluss aus Trier weg oder orientieren sich anderweitig. „Wir suchen händeringend nach Mitgliedern unter 60. Mit 40 Jahren gilt man bei uns schon als junges Mitglied“, sagt Schatzmeister Michael Kettler.

INFO
Verein Sternwarte aktuell
Der Verein hat derzeit rund 60 Mitglieder. Alle Interessierten können beitreten, astronomische Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.
Jahresbeitrag: 20 Euro.
Für Besucher steht die Sternwarte Tarforst jeden ersten Donnerstag im Monat offen. Treffpunkt: 19.30 Uhr, Uni Trier, Hauptgebäude A/B, gegenüber der Cafeteria. Die Mitglieder treffen sich zusätzlich jeden dritten Donnerstag im Monat.
Veranstaltungen: Mindestens einmal im Jahr wird für Schüler und Interessierte ein Referent zu den Themen Astronomie oder Raumfahrt eingeladen. Im März 2019 sprach etwa der ESA-Astronaut Thomas Reiter im übervollen Audimax der Uni. Im Oktober referierte der bekannte Münchener Astronom Dr. Josef M. Gaßner zum Thema „Was hat das Universum mit mir zu tun?“ Der Eintritt zu allen Vorträgen und Führungen (nach Anmeldung) ist frei – Spenden sind aber immer willkommen.
Spendenkonto: SPK Trier, IBAN DE11 5855 0130 0000 9338 04.
Für Schülerinnen und Schüler der Astroarbeitsgemeinschaften bietet der Verein einmal im Jahr Tagesexkursionen an, etwa zum Planetarium in Mannheim oder nach Effelsberg zum Radioteleskop der Uni Bonn.
HINTERGRUND
Sternwarte auf der Uni: 150/2300 Coudé-Refraktor + 90/1200 AK-Refraktor. Beide Geräte dienen vorwiegend der Beobachtung von Sonne, Mond und Planeten. Sonnenbeobachtung ist im Weißlicht und in der Wasserstofflinie H-Alpha möglich.
Sternwarte Trier-Irsch: 300/5400 Cassegrain-Spiegelteleskop + 102/816 TSA-Refraktor. Der Cassegrain dienst vorwiegend der Mond- und Planetenbeobachtung. Der TSA ist wegen seiner Bildqualität besonders für Astrofotografie in die Tiefen des Alls (Galaxien etc.) geeignet. Gute Beobachtung ist nach Angaben der Vorstandsmitglieder nur in klaren Nächten möglich. Kurze Sommernächte verkürzen dementsprechend die Beobachtungszeit. Auch der Mond wird einmal im Monat zum Spielverderber, wenn er bei Vollmond den "Raum ausleuchtet".